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Die Römische Macht in Judäa: Ein Konflikt und seine "Lösung"

Vortrag von Professor Werner Eck (Universität Köln), einem ehemaligen Schüler des NGN

prof eck 2012Der Fachbetreuer für Geschichte StD Müller eröffnete die Veranstaltung, indem er den Referenten Prof. Werner Eck von der Universität Köln, einen bekannten Althistoriker, als ehemaligen Schüler des NGN vorstellte. Professor Eck legte nämlich im Jahr 1959 am NGN, das sich damals noch am Frauentorgraben befand, sein Abitur ab. 

Als  Ausgangspunkt seiner geschichtlichen Betrachtungen wählte Prof. Eck zur Überraschung der Zuhörer  Köln  und begann mit dem Rathausplatz der Stadt, weil sich dort ein aus dem 4. Jahrhundert stammendes jüdisches Ghetto befindet. Danach erläuterte er die Entwicklung der römisch-jüdischen Beziehung zu Beginn der römischen Herrschaft, die erst durch die Einnahme Syriens und Palästinas durch Pompeius ermöglicht wurde. Dessen Betreten des Tempels in Jerusalem im Jahr 63 v. Chr. und damit verbunden seine Entweihung war über Jahrhunderte hinweg das Symbol des Konflikts zwischen Römern und Juden. Ein Teil des eroberten Palästina wurde der römischen Provinz Syria angegliedert, während der Rest ein kleines Hasmonäer-Reich unter dem Namen Judäabildete. Römische Münzen belegen, dass die Juden von Herodes beherrscht wurden, der sich loyal gegenüber der römischen Obrigkeit zeigte. Augustus verlangte keine Verehrung von den Juden, außerdem erlaubte er eine Beibehaltung der jüdischen Privilegien. Damals gab es also noch eine jüdische Autonomie und Judäa war noch keine römische Provinz.

Einige Jahrzehnte nach dem Tod des Herodes kam es dann aber in den Jahren 66 bis 70 n. Chr. zum ersten jüdischen Aufstand, von dem wir viel durch den Geschichtsschreiber Flavius Josephus wissen. Dieser war selbst Jude, dadurch sicher mit Sympathien für das jüdische Volk, und wollte seinem Volk nicht die alleinige Schuld für den Aufstand geben, weil er die wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrückung als Ausgangspunkt für den Konflikt sah. Pilatus, Präfekt von Judäa, hatte  etwa angeordnet, dass Kohorten mit Feldzeichen und Bildnissen von Kaisern nach Jerusalem verlegt wurden. Dies stand im Widerspruch zu dem Dekalog der Juden, was die Bevölkerung zum Aufstand provozierte. Die Vernichtung einer ganzen Legion wurde von der römischen Militärmacht als „Krieg gegen Rom" angesehen und nicht geduldet. Feldherr Vespasian führte die römischen Truppen, die den Aufstand niederschlagen sollten. Als Vespasian nach Rom zurück musste (er wurde dann Kaiser), übernahm sein Sohn Titus den Oberbefehl und besiegte die aufständischen Juden. Titus ordnete die Plünderung und Zerstörung des Tempels von Jerusalem an, damit die Juden kein religiöses Zentrum mehr hatten. Mit den Reichtümern des Tempelschatzes wurde anschließend der Bau des Kolosseums in Rom finanziert. Der Freitod der letzten noch Widerstand leistenden jüdischen Kämpfer in der Bergfestung Massada im Jahr 73 oder 74 n. Chr. bildet die Grundlage für einen Nationalmythos im Staat Israel. Noch heute müssen die jüdischen Soldaten schwören: „Massada soll nie wieder fallen".

Durch die Kämpfe gab es ungefähr eine Million Tote und viele Gefangene und Sklaven. Zahlreiche Juden verließen das Land, was jedoch nicht zu einer Entvölkerung führte. Auch wurde der Tempel nicht mehr aufgebaut und mit 20.000 Soldaten hatte die Provinz Judäa die größte Militärpräsenz im Römischen Reich.

Nach einer intensiven Vorbereitung radikaler Juden, die einen Konflikt vorbereitete, ohne dass die Römer etwas mitbekamen, begann unter Führung von Bar Kochba 132 n. Chr. der zweite jüdische Aufstand. Durch den überraschenden Guerillakrieg büßten die Römer viele Legionäre ein, was sie zu Notmaßnahmen im Bezug auf die Truppenaushebung zwang. Cassius Dio schrieb über die Kämpfe, dass 60.000  römische Soldaten, ein Fünftel der gesamten Armee, in Judäa im Einsatz war. Auch diesen Konflikt konnten die Römer für sich entscheiden. Der Krieg forderte sehr viele Menschenleben und das jüdische Kerngebiet wurde fast entvölkert. Durch diese zweite große Vertreibung wurden sehr viele Juden im ganzen Römischen Reich verstreut („Diaspora"). Aufgrund dessen verschlug es auch Juden nach Köln, was den Referenten wieder zu seinem geschichtlichen Ausgangspunkt zurückkehren ließ. Des kulturellen und politischen Zentrums beraubt, aber weiterhin im Besitz ihrer Privilegien bezüglich Militärdienst und Glaubensausübung, sahen die Juden schließlich ein, dass man mit den Römern zusammenleben konnte.

Durch den Vortrag wurde uns klar, dass die geschilderten geschichtlichen Ereignisse Auswirkungen bis in unsere Zeit hatten. Außerdem verdeutlichte Professor Eck in seinem Referat, dass man aus der Geschichte lernen kann.

Luca Hoffmann, Adrian Linz Q12

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