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Exkursion zur Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Niederbronn-les-Bains

Der lange Weg zu einem friedlichen Europa

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Wir, die Klasse 9c, verbrachten ein Wochenende im Elsass und begaben uns, in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, auf Spurensuche vom Ende des Ersten und dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges bis hin zur Schaffung eines friedlichen Europas.

Am Freitag, den 6.März, haben wir uns um 7 Uhr 40 an der Meistersingerhalle getroffen und sind um Punkt 8 Uhr aufgebrochen. Nach einer regnerischen Fahrt sind wir um 13 Uhr im noch regnerischeren Elsass angekommen und haben gleich darauf in der Jugendbegegnungsstätte Albert-Schweitzer in Niederbronn-les-Bains zu Mittag gegessen.

Nach einer kurzen Möglichkeit unsere Zimmer zu beziehen, hielt uns Joëlle Krieger, eine Mitarbeiterin der Jugendbegegnungsstätte, einen Vortrag über die spannende deutsch-französische Vergangenheit des Elsasses. Dabei wechselte sie zwischen den Sprachen Deutsch, Französisch und Elsässisch. Dies veranschaulicht auch die Identität der Elsässer, auf die sie nebenbei sehr stolz sind, denn ihre Kultur und Sprache beinhaltet zwar sehr viele deutsche Aspekte, doch gesehen haben sich die Elsässer immer als Franzosen.

Vor dem Abendessen hatten wir die Möglichkeit das Dorf zu erkunden und unsere Einkäufe zu erledigen. Dabei mussten wir aber in kleinen Gruppen bleiben, denn obwohl das Dorf ziemlich klein war, konnte man sich leicht verlaufen. Nach dem Abendessen haben wir zur Stärkung der Klassengemeinschaft verschiedene Spiele gespielt und anschließend über das Klassenklima gesprochen und diskutiert.

Am Samstag gab es um 8 Uhr Frühstück und danach hielt uns der Leiter der Einrichtung, Bernard Klein, einen Vortrag über die Kriegsgräberstätte, auf der viele deutsche Soldaten während des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Er erklärte uns seine Arbeit und wie er es geschafft hat, das Schicksal von ca. 300 Soldaten zu recherchieren. Anschließend sind wir zur Gedenkstätte gegangen. Die Jugendbegegnungsstätte Albert-Schweitzer besitzt auch eine kleine Ausstellung, in der verschiedene Einzelschicksale dargestellt sind. So kann man die Geschichte eines Jungen nachlesen, der bei einem deutschen Verteidigungsschlag auf deutscher Seite schwer verletzt wurde und von amerikanischen Soldaten in ein Lazarett auf französischer Seite gebracht wurde. Dort verstarb er jedoch. Die Familie erfuhr erst 26 Jahre später, dass der Junge auf der Kriegsgräberstätte in Niederbronn-les-Bains beigesetzt wurde. Daneben wird z. B. noch die Lebensgeschichte eines überzeugten SS-Soldaten rekonstruiert. Monsieur Klein versuchte uns zu vermitteln, dass die Geschichte eben nicht schwarz und weiß ist, sondern viel komplizierter. Sowie nicht jeder Franzose bei der Résistance war, so war auch nicht jeder Deutsche ein überzeugter Nazi, aber natürlich gab es sie sehr wohl. So ruhen z. B. auf der Gedenkstätte einige SS-Soldaten. Des Weiteren zeigte uns Monsieur Klein ein paar Gräber mit einer ganz besonderen Geschichte: z. B. fielen zwei Zwillingsbrüder am selben Tag. Dies ist sehr seltsam, denn eigentlich wurden Geschwister im Zweiten Weltkrieg absichtlich getrennt, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass einer überlebt, höher war. Doch bei diesen Brüdern hatte die Mutter darauf bestanden, dass sie nicht getrennt wurden und so kam es, dass sie nicht nur am selben Tag geboren wurden, sondern auch gefallen sind.

Abschließend gedachten wir in einer Schweigeminute den Kriegsopfern, die viel zu früh ihr Leben für die fanatische Ideologie des Nationalsozialismus geben mussten. Paarweise stellten wir anschließend jeweils eine Grabkerze auf und gedachten nicht nur den beigesetzten Soldaten und Zivilisten auf der Kriegsgräberstätte, sondern allen Opfern von Krieg und Verfolgung.

Am Nachmittag haben wir eine Festungsanlage der, schon im Unterricht besprochenen, Maginot-Linie besucht. Sie diente als Verteidigungslinie mit raffinierten Bunkeranalgen zur Absicherung Frankreichs gegen Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Es ist schon unglaublich, dass diese riesigen und für damalige Verhältnisse hochmodernen Anlagen, die sich an der deutsch-französischen Grenze entlangziehen, nie wirklich zum Einsatz kamen, da die Deutschen über das neutrale Belgien in Frankreich einfielen.

Zum Abschluss des doch sehr ereignisreichen und anstrengenden Tages waren wir gemeinsam im Restaurant „Le Coq Blanc“ Flammkuchen essen. Am Sonntagmorgen gab es schon sehr früh Frühstück und anschließend packten wir uns Lunchpakete für einen weiteren spannenden Tag. Wir fuhren tief in die Vogesen zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Es ist das einzige KZ auf französischer Seite. Schon bei der Anfahrt wurde uns ganz mulmig. Das Konzentrationslager befindet sich nämlich mitten in den Bergen. Von der Ortschaft Rothau fuhren wir noch ca. eine Viertelstunde in Serpentinen mitten in den Wald. Damals kamen die Gefangenen unten in Rothau am Bahnhof an und mussten dann den gesamten Weg zu Fuß den Berg hinauflaufen. Es ist erschreckend wie grausam und unmenschlich die Häftlinge behandelt wurden. Neben der harten Arbeit im Steinbruch, wurden an ihnen medizinische Versuche durchgeführt und dabei erhielten sie kaum ausreichend Nahrung.

Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers hat uns alle sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Daher genossen wir es danach alle sehr, den Nachmittag zur Aufheiterung in Straßburg verbringen zu dürfen. Leider wurde unser Besuch des Europaparlaments abgesagt, deshalb besichtigten wir es zumindest von außen und spazierten durch das Europaviertel, um anschließend in kleinen Gruppen die Innenstadt unsicher zu machen.

Am letzten gemeinsamen Abend besprachen wir die Ereignisse des Tages und zum Abschluss wurde dann zusammen gesungen und gelacht. Am Montagmorgen haben wir uns noch intensiv mit den Schicksalen des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. So haben wir uns abwechselnd mit den Einzelschicksalen der gefallenen Soldaten auf der Kriegsgräberstätte, den letzten Briefen von Gefangenen kurz vor ihrer Hinrichtung und den Besucherheften von Kriegsgräberstätten des Volksbundes europaweit beschäftigt. Dabei wurde uns die Dramatik, die dieser Krieg auslöste, erneut bewusst. Denn obwohl der Krieg mittlerweile seit fast 75 Jahren zu Ende ist, sind seine Folgen immer noch spürbar. Umso wichtiger erscheint es uns nun den Gedanken eines einheitlichen und friedlichen Europas weiterzutragen und zu bewahren.

Um 12 Uhr verabschiedeten wir uns von den Mitarbeitern der Jugendbegegnungsstätte und sind gen Heimat gefahren, wobei wir noch einen kurzen Stopp am Supermarkt eingelegt haben. Nach einer angenehmen Fahrt sind wir um 17 Uhr 15 an der Meistersingerhalle in Nürnberg angekommen.

Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gebührt für die Unterstützung, Organisation und Förderung mit 500 € und der Stiftung Gedenken und Frieden für die finanzielle Unterstützung mit ebenfalls 500 € ein sehr großer Dank. Zum Schluss wollen wir uns auch nochmal ganz herzlich bei Frau Wasmeier und Herrn Braun für die tolle Fahrt bedanken.

Von Magdalena Rix und Pauline Kastner

 

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