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„Zukunft für Kinder – Aldea Laura e.V.“ zum Schuljahr 2019/20

Im Februar 2019 war ich zum 5. Mal, diesmal zusammen mit einem Freund, acht Tage in unserem Schulprojekt im Hochland von Guatemala. „Land des ewigen Frühlings", so nennt sich Guatemala selbst, - und tatsächlich: Im Hochland hatten wir tagsüber immer Sonnenschein bei ca. 25° C.

Sonne über diesem Land, aber wie sieht es im Land selber aus, vor allem in unserem Schulprojekt in Chocruz, einem Dorf, dessen „Häuser" (besser wohl „Hütten") versprengt über einem größeren Gebiet liegen? Und mitten drin unsere Schule, ein kleiner Leuchtturm in einem tristen Umfeld.

Meine Gefühle gingen hin und her zwischen Begeisterung und Erschütterung.

 

Begeistert hat mich

  • nicht nur die Schönheit der Kinder, sondern vor allem ihre Fröhlichkeit und Herzlichkeit, ihr Lachen aus dem großen dunklen Augen heraus und ihre Anhänglichkeit. Ständig waren wir umringt von Trauben von Kindern.
  • das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind mit ganzem Herzen bei den ihnen anvertrauten Kindern, sie wissen um ihre Situation, weil sie selbst alle aus prekären Verhältnissen stammen. Im Unterschied zu den staatlichen Schulen gibt es hier keinerlei Unterrichtsausfall (dort ohne weiteres 30 Tage im Jahr) manches an benötigten Schulmaterialien bezahlen sie aus ihrem eigenen Portemonnaie, - und das bei einem monatlichen Gehalt von 3.000 Quetzales (Q; ca. 330 €), während staatliche Lehrer je nach geleisteten Dienstjahren zwischen 4.000 und 7.500 Q (ca. 440,- bis 825,-€) monatlich bekommen. Unsere Lehrer beklagen sich in keiner Weise darüber. Freilich würden wir gerne mehr als das vom Staatgeforderte Mindestgehaltzahlen, aber es fehlt uns das Geld.
  • die Vielfalt der Natur mit ihren zerklüfteten Formen, mit ihren Blumen und ihren kleinen Wäldern, in denen sich die „Häuser" verstecken. Andererseits ist diese Natur gleichzeitig der große Abfalleimer, -unvorstellbar, was da an Müll und Plastik herumliegt.
  • Und voller Bewunderung war ich, wie die Menschen trotz ihrer Armut sich ihre Würde bewahren, wie sie bei Begegnungen den Blickkontakt suchen und ganz selbstverständlich ein Lächeln über ihr Gesicht huscht, verbunden mit dem Gruß „Hola", „Buenos dias" oder „Buenas tardes“

Erschüttert hat mich:

  • Die Einkommensschere zwischen Arm und Reich geht in Guatemala noch weiter auseinander als in unserer westlichen Welt.
  • Alle Familien im Gebiet des Schulprojektes leben weit unter dem Niveau eines menschenwürdigen Lebens.
  • Besonders die indigene Bevölkerung, die Mayas gehören zu den Ärmsten der Armen. Ihr Einkommen und Besitz ist so gering, dass sie ums tägliche Brot und Überleben kämpfen müssen.
  • Leben in Würde und sozialer Sicherheit ist nicht gegeben. Der Lebensstandard ist so niedrig, dass Gesundheit und Wohlergehen nicht annähernd gewährleitstet sind.
  • Das Bildungsniveau liegt weit unter dem weltweit geforderten Standard; vor allem Frauen sind Analphabeten.
  • Lohn für Näharbeiten von 10 -20 Stunden: 50 Q (ca. 5,50 €).
  • Völlig unzuverlässige oder gar keine Wasserversorgung in den „Häusern" (glücklich, wer neben seinem „Haus" oder wenigstens in einer Entfernung von ca. 200 m einen Brunnen hat!).
  • Elektrische Energie steht nicht jederzeit zur Verfügung oder kann nicht bezahlt werden (Maria, eine unserer Köchinnen, hat nur drei Monate im Jahr Strom).
  • Notwendige Mitarbeit der Kinder im „Haus" oder bei einem Job am Wochenende, um vielleicht 30 - 40 Q zu verdienen

Trotz aller Not gilt es festzuhalten:

  • Unsere Schule bringt für 216 Kinder in Vor- und Grundschule und für ihre Familien ein Stück Erleichterung: tägliches Frühstück, Mittagessen, je einmal pro Woche in der Pause ein Obst und ein Salatteller und das gesamte Schulmaterial sind frei.
  • In der 7 - 9. Klasse haben wir im Augenblick 74 Schüler, von denen auch einige ein Mittagessen bekommen. Hier bitten wir um ein geringes Schulgeld. Denen, die es nicht zahlen können und gleichzeitig förderungswürdig sind, erlassen wir.
  • Zehn Lehrer sind fest angestellt und können so ihren Lebensunterhalt fristen.

Dass dies alles gelingt und bezahlt werden kann, liegt ganz wesentlich auch an der finanziellen Unterstützung durch die Schulfamilie des NGN. Im vergangenen Schuljahr sind insgesamt über 9.500 Euro zusammen gekommen, eine Summe, die fast 10 % unseres Haushaltes deckt. Ganz herzlichen Dank dafür!

Übrigens:

Die Mitglieder und Paten von „Zukunft für Kinder – Aldea Laura e.V.“ engagieren sich hier, weil

  • sie überzeugt sind, dass dieses Schulprojekt im Hochland von Guatemala einmalig ist,
  • sie begeistert sind von der Arbeit, die dort geleistet wird,
  • sie der Meinung sind, dass das Projekt unsere Förderung verdient, und
  • sie sicher sind, dass 100% aller Spenden direkt in das Projekt gehen.

Eberhard Nusch – November 2019